Palmsonntag mit Apostel Mutschler

Mit dem heutigen Sonntag, 5. April 2020, hat die Neuapostolische Kirche Nord- und Ostdeutschland bereits zum dritten Mal einen zentralen Video- und Telefongottesdienst live aus der Hamburger Kirchenverwaltung angeboten, um trotz der massiven Einschränkungen, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, das christliche Fest Palmsonntag medienunterstützt begehen zu können. An Palmsonntag erinnern sich Christen aller Welt an Jesu Einzug in Jerusalem.

Wer heute Palmsonntag feiert, folgt dem Brauch der Christengemeinde in Jerusalem. Schon um das Jahr 400 wird von ihr bezeugt, dass sie sich am Ölberg versammelt und in einer Prozession in die Stadt hinuntergeht. Die Kinder sollen dabei Palmwedel und Ölzweige getragen haben. Im April 2020 sieht das zwar anders aus, doch auch wenn ein persönliches Zusammenkommen nicht möglich ist, werden Wege gefunden, um miteinander verbunden zu sein:

Fast schon wie gewohnt haben sich zig Tausend neuapostolische Christen vor heimischen Fernsehern oder Telefonen gesetzt, um den Gottesdienst zuhause – statt in der Gemeinde neben vielen anderen Kirchenmitgliedern – zu erleben. Eine neue Situation dagegen war es für die Apostel Helge Mutschler und Uli Falk, die gemeinsam den Gottesdienst gestalteten und erstmalig nicht vor einer Gemeinde, sondern in eine Kamera hinein predigten.

„... dass der König der Ehre einziehe“

Mit großem Respekt, wie er unter der Woche geäußert hatte, sah Apostel Mutschler (Hannover) dem Augenblick des Beginns der Übertragung entgegen, durfte aber auf eine vergleichbare Erfahrung zurückblicken, als er Himmelfahrt 2019 zu ähnlich vielen Gläubigen predigte, die für den ersten Internationalen Jugendtag in einer Messehalle in Düsseldorf (Gebietskirche Westdeutschland) zusammen gekommen waren.


Machte er das Zu-sich-Ziehen Jesu zum Thema (vgl. Johannes 12,32), ging es heute um das Einziehen des Herrn. Der mit „Einzug in das Heiligtum“ überschriebene 24. Psalm bildete die Predigtgrundlage, daraus die Verse 7 und 8 als Schwerpunkt: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit.“

Motto zum Tag: Türen auf für Jesus

„In dieser Zeit sind viele Türen zu.“ Mit diesem Satz begann Apostel Mutschler die Predigt – und das Bild der Tür sollte sich auch wie ein roter Faden durch den Gottesdienst ziehen. Zunächst beleuchtete der Apostel, dass aufgrund der Corona-Pandemie manche Ladentüren, viele Haustüren und alle Kirchentüren verschlossen seien. Geburtstage müsse man aktuell allein feiern, Segen und Feiern zu Hochzeitsjubiläen müssten verschoben werden.

„Selbst da, wo Türen offen sind“, unterstrich Apostel Mutschler den Ernst und die Traurigkeit mancher Lage, gingen sich Menschen meterweit aus dem Weg und würden eine Begegnung – verständlicherweise – scheuen, sich im Falle des Falles ängstlich in die Augen sehen. „Ein Glück gibt es kein Kontaktverbot für das Herz und kein Kontaktverbot für Jesus Christus“, zeigte der Apostel dagegen auf und leitete von diesem Gedanken das Motto des Tages ab, das er an Psalm 24,7a („Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch“) anlehnte: „Türen auf für Jesus!“

„Wer ist der König der Ehre?“

Die Beschäftigung mit zwei Kernfragen machten den nächsten Predigtteil aus. Als erste Frage zitierte Apostel Mutschler den 8. und 10. Vers des 24. Psalms: „Wer ist der König der Ehre?“ Die Frage sei zu allen Zeiten sehr unterschiedlich beantwortet worden. Der Apostel führte auf, dass manche in Jesus, dem König der Ehren, schlicht den Sohn von Maria und Josef, einen unbedeutenden Zimmermann gesehen hätten. Andere verstanden ihn als weisen Lehrer, Prophet und Wunderheiler, wiederum andere als „Verrückter und Spinner“ oder „Fresser und Weinsäufer“.

Die korrekte Antwort sei, Jesus als den König der Ehren zu verstehen, als Messias, als den Überwinder und Sieger, der alles in seiner Hand halte, weswegen alle, die an ihn glauben und sich zu ihm bekennen, sich nicht zu fürchten bräuchten. Dies gelte auch am heutigen Palmsonntag, inmitten der Corona-Krise. „Was wir auch immer in der Krise erleben: Es ist immer nur das Vorletzte.“ Das Letzte sei das Glaubensziel der Christen: die ewige Gemeinschaft mit Gott.


Jesu Macht und Stärke: die Liebe

„Was ist das für eine Macht und Stärke?“ – So lautete die zweite Frage, die Apostel Mutschler ebenso deutlich beantwortete: Jesu Macht und Stärke würde nicht in rein äußerer Autorität liegen, nicht darin, dass er gut einschüchtern oder mit Strafe drohen könne. „Seine Macht und Stärke ist die Liebe.“ Diesen Aspekt der Liebe stellte der Apostel näher heraus, auch indem er – als Kontrapunkt zum Coronavirus – sich wünschte, Jesu Liebe würde wie ein Virus sich über die ganze Erde ausbreiten und viele Menschen anstecken.

Als Beweis dafür, dass sich die Liebe Jesu bereits in Vielen verankert und so manche Tür sich längst weit für Jesus geöffnet hätte, nannte Apostel Mutschler einige Beispiele, die er in der letzten Zeit wahrgenommen hatte: Broadcast- und YouTube-Kanäle einzelner Kirchenbezirke, telefonische und digitale Seelsorge, Einkäufe für ältere Menschen, Video-Andachten und vieles mehr. Entsprechend dankbar fielen abschließende Worte des Apostels aus: „Danke, dass ihr die Liebe Jesu nach außen scheinen lasst. (…) Wir Apostel danken euch.“

„Fühl‘ dich wie zuhause“


Der Palmsonntag gemäße, freudige Charakter des Gottesdienstes wurde durch die Musik noch verstärkt. Zum einen sorgten Gesangssolistin Anthea Rohde und ihr Mann Jörn an der Orgel für musikalische Feststimmung. Zum anderen hatte Apostel Mutschler mit den Liedern Nr. 42 und 40 zwei der drei für Palmsonntags-Gottesdienste vorgesehenen Lieder aus dem neuapostolischen Gesangbuch ausgewählt: Zu Beginn „Einst zog in niedern Hüllen auf einer Eslin Füllen der Herr in Salem ein“ und „Sieh, dein König kommt zu dir“ als Vorbereitung auf die Co-Predigt von Apostel Falk.

Apostel Falk blieb beim Bild der geöffneten Tür für Jesus und lud ein, sich vorzustellen, wenn Jesus nun als Freund durch die offene Herzenstür ginge. „Fühl‘ dich wie zuhause“, wäre hier und da eine Begrüßung, wenn ein Freund zu Gast sei. Der Apostel intensivierte dieses Gedankenspiel im bildlichen Rahmen des Wohnens: Wenn Jesus käme und sich wie zuhause fühlte, würde er vielleicht ein Bild, das leicht schief hängt, gerade rücken. „Endet dann hier die Gastfreundschaft?“, oder wie weit dürfe Jesus bei mir gehen, fragte der Apostel.

Bibellesung durch Apostel Falk

Apostel Falk leistete nicht nur einen Predigtbeitrag, sondern sorgte auch für ein Novum: Denn mit ihm übernahm erstmals ein Apostel die – an Feiertagen obligatorische und heute von zwei Solo-Gesangsbeiträgen umrahmte – Bibellesung innerhalb eines Zentral-Gottesdienstes. Gleichzeitig überraschte dies Novum nur bedingt, denn die Kirche ist um Schutz vor Corona-Übertragung und -Ansteckung bemüht und hält daher den Kreis derer, die die Live-Gottesdienste mitgestalten, auf ein Minimum beschränkt. Folglich wurde keine weitere Person extra eingeladen, um die Lesung vorzunehmen.


Zu der Minimalbesetzung gehören auch die beiden Gebärden-Dolmetscher, Anja Koy und Jürgen Karl Hilmer, die seit des ersten Live-Streamings im Einsatz sind. Immer auch ein gutes Angebot für die hörgeschädigten oder -beeinträchtigten Kirchenmitglieder zu schaffen, ist der Gebietskirche seit Jahren ein großes Anliegen. Ein Interview mit beiden Dolmetschern ist für nächste Woche geplant, um Person und Arbeit näher vorzustellen.

Nächste Übertragung zu Karfreitag

Kurz darauf folgt die nächste Live-Übertragung: Karfreitag, 10. April wird Bezirksapostel Rüdiger Krause sich ein zweites Mal innerhalb der Corona-Zeit in einem Zentral-Gottesdienst an die Mitglieder der Gebietskirche wenden. Zwei Tage später, zu Ostern, folgt dann die weltweite Übertragung des Gottesdienstes mit Stammapostel Jean-Luc Schneider aus Neu-Isenburg. Eine Übersicht aller Gottesdienste im April ist hier zu finden.